TP 7: Interventionsstudie: Auswirkung einer standardisierten Nachbesprechung durchgeführter Zwangsmaßnahmen (Postvention) im Sinne des Recovery-orientierten Versorgungskonzeptes

Zugrundegelegt werden Erfahrungen mit dem sog. Weddinger –Modell für Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen. Ermittelt werden Zwangsmaßnahmen und Erleben von Zwang. Untersucht werden soll die Intervention einer standardisierten und systematischen Nachbesprechung (Postvention) durchgeführter Zwangsmaßnahmen (d.h. Unterbringungen, Isolierung, Fixierung, Zwangsmedikation, Behandlung unter expliziter Androhung mit Zwang), die das Behandlerteam mit den betroffenen Patienten und ggf. Bezugsperson durchführt, im Vergleich zu einer Standardbehandlung mit nicht-standardisierter Nachbesprechung (Kontrollgruppe). Die untersuchte Intervention beinhaltet die Durchführung einer systematischen Nachbesprechung der Zwangsmaßnahme(n) anhand eines trialogisch entwickelten Leitfadens.

Hypothesen: Die systematische und standardisierte Nachbesprechung (Postvention) von Zwangsmaßnahmen, die das multiprofessionnelle Behandlerteam mit dem betroffenen Patient durchführt: I) reduziert das Niveau vom erlebten Zwang in der psychiatrischen Versorgung; II) vermindert negative Folgen von Zwangsmaßnahmen hinsichtlich der therapeutischen Beziehung; III) führt zu einer Haltungsänderung im Behandlerteam; IV) reduziert die Anzahl von im weiteren Verlauf durchgeführten Zwangsmaßnahmen.

Methodik: Randomisierte kontrollierte Interventions- Studie (RCT) in zwei Phasen:

1. Phase: Erfassung des Stands der Postvention nach Durchführung von Zwangsmaßnahmen mit einem zu entwickelnden Fragebogen.

2. Phase: Schulung der Mitarbeiter bzgl. standardisierter Nachbesprechung. Etappenweise Schulung und Einschluss der untersuchten Stationen („wedge design“) und Randomisierung der Patienten in die Interventions- und Kontrollgruppe.

Die Untersuchung erfolgt in einem kombinierten trialogischen Studiendesign mit Hilfe von quantitativen und qualitativen Methoden.

Quantitativer Studienteil: Interventionsgruppe: 100 Patienten; Kontrollgruppe: 100 Patienten. Qualitativer Studienteil: qualitative Interviews, Fokusgruppen, teilnehmende Beobachtung.

Dieses Teilprojekt ist eine eigenständige Studie der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité Berlin.

Verantwortliche Leitung: Dr. Christiane Montag, Dr. Lieselotte Mahler (Charité Berlin)